Tim Burton

Ein Gespräch mit TIM BURTON über Filmemachen als Therapie, 3D-Effekte und seine Freundschaft zu JOHNNY DEPP

Im zarten Altern von 13 Jahren hat TIM BURTON seinen ersten Film gedreht. ALICE IM WUNDERLAND ist sein neuester Regie-Streich. Den "Verrückten Hutmacher" spielt JOHNNY DEPP, mit dem TIM BURTON eng befreundt ist - Windeln wechseln verbindet eben. Damals wurden beide Männer zur selben Zeit Vater. TIM BURTON lebt mit der britischen Schauspielerin Helena Bonham Carter zusammen, die in "Alice im Wunderland" die fiese "Rote Königin" spielt. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder.

Tim Burton

Ist 3D tatsächlich die Zukunft des Kinos?

Im Moment ist 3D natürlich ein einziger Hype. Aber als ich vor ein paar Jahren mit der Entwicklung dieses Projektes begann, feierte man 3D noch nicht als die Rettung des Kinos. Damals wurden nur Animationsfilme und ein geheimnisvolles Projekt mit dem Titel "Avatar" in dieser Technik entwickelt. Ich bin froh, dass ich den Film jetzt gemacht habe, weil ich meine Ruhe hatte. Nach "Avatar" will man ja plötzlich völlig hysterisch alles in 3D drehen. Da werden in den kommenden Jahren die seltsamsten Projekte auf uns zukommen, eine Menge schlechte 3D-Filme. Wissen Sie, in Hollywood hat man die Tendenz, Trends zu verschlafen. Innovative Projekte werden so lange auf Eis gelegt, bis auch der Letzte sicher ist, damit Geld zu verdienen. Und plötzlich springen dann alle gemeinsam auf den selben Zug.

Das klingt, als seien Sie gar nicht so besonders begeistert von dieser Technik?

Im Gegenteil. Sie ist ein wunderbares neues Werkzeug für einen Filmemacher. Und ich glaube auch, 3D wird sich als ein weiteres Genre durchsetzen. Nur sollte man jetzt nicht jeden Film in 3D drehen. Am Ende wird es sein, wie in jedem Genre: Wir werden gute und schlechte Versionen sehen.

Was halten Sie von AVATAR?

Habe ich nicht gesehen. Ehrlich. Wenn ich selbst an einem Film arbeite, gehe ich so gut wie nie ins Kino. Das lenkt mich zu sehr ab. Wenn mein Film dann endlich in den Kinos läuft, muss ich eine Menge nachholen

Tim Burton

Sie haben Ihre Karriere vor vielen Jahren bei Disney begonnen. Diesen Film haben sie nun wieder mit Disney realisiert. Wie hat sich das Filmgeschäft seitdem verändert?

Das Geschäft hat sich grundlegend verändert. Wir leben ja gerade sowieso in einer Übergangszeit. In den Filmstudios ist man verunsichert, wie es weiter gehen soll. Erst hat man den Markt mit DVDs überschwemmt, um mehr Geld zu machen. Und als das nicht mehr funktionierte, ist nun plötzlich 3D das neue Allheilmittel. Aber es gibt auch positive Veränderungen. Ich weiß noch, als ich vor vielen Jahren ins Kino ging, waren die Filmtheater so schäbig und heruntergekommen, dass man gar keine Lust mehr hatte Filme zu sehen. Jetzt bauen sie diese neuen schönen Kinos und damit wird der Kinobesuch auch wieder zum Erlebnis.

Tim Burton

Warum haben Sie den VERRÜCKTEN HUTMACHER zu einer der zentralen Figuren des Films gemacht?

Ich hatte immer Probleme mit früheren "Alice"-Verfilmungen, weil sie sich nach meinem Geschmack zu dicht an die Buchvorlage hielten. Unser Ziel war es, die Figuren und die Welt, die Lewis Carol geschaffen hat, in einen etwas anderen Kontext zu setzen. Wir haben ja auch Alice älter gemacht. Und als ich erst einmal damit angefangen hatte, entwickelte die Geschichte ein Eigenleben. Wir wollten einen Film machen. Im Buch wird ja eher eine Reihe von Ereignissen erzählt. Der Hutmacher war für mich immer die Figur, die Lewis Carols Welt am besten repräsentiert. Ihn habe ich als Anker benutzt, um die Geschichte etwas flüssiger zu machen.

Was fasziniert Sie so sehr an den bizarren Welten, die Sie in Ihren Filmen auf die Leinwand bringen?

Es gibt ja Kritiker, die mir vorwerfen, "nur" Fantasy-Filme zu machen. Aber warum soll unsere Fantasie unwichtiger sein, als die so genannte Realität? Und dieses Thema hat mich speziell an "Alice" fasziniert. Denn hier wird die Fantasie-Welt auf einmal Realität. Es gibt viele Themen in diesem Film, die mich seit langem beschäftigen. Wo ich aufgewachsen bin, wurden alle Menschen kategorisiert und eingeordnet. Das hat mir noch nie gefallen. Filme zu machen war meine Art der Gegenwehr.

Filmemachen ist für Sie also auch Therapie?

Unbedingt! Aber eine sehr teure Therapie...(lacht).

Und wirkt die Behandlung?

Wissen Sie, ich habe mich immer als Außenseiter gefühlt. Und egal, wie erfolgreich du wirst, was für eine liebevolle Familie und gute Freunde du später hast. Dieses Gefühl bleibt und es vergeht nicht. Und so fühle ich mich auch heute noch oft so, als würde ich nicht dazugehören.

Tim Burton

Sie arbeiten seit über zwanzig Jahren mit Ihrem Freund Johnny Depp. Inzwischen ist er ein viel beschäftigter Mega-Star. Wie schaffen Sie es trotzdem immer wieder, ihn vor der Kamera zu lotsen?

Einmal musste ich tatsächlich ein Boot chartern, um ihn für eine Film-Besprechung auf seiner Insel in der Karibik zu besuchen...(lacht). Es ist heute schwieriger, ihn zu treffen, das ist richtig. Aber wir sind tatsächlich Freunde und er versucht immer, sich die Zeit frei zu schaufeln, wenn ich drehe. Das kommt ja nur alle paar Jahre vor. Und bisher hat es glücklicherweise immer funktioniert.

Zur Not könnten Sie ihn ja auch einfach anrufen, statt Boote zu chartern.

Johnny und ich haben unter vielen anderen Dingen, eines gemeinsam: Wir hassen beide Telefone. Ich kenne noch nicht einmal meine eigenen Telefonnummern. Zur Not würden wir uns wahrscheinlich lieber Briefe schreiben.

Der Film ist so britisch geworden, wie ihn vielleicht nur ein Amerikaner inszenieren kann. Sind Sie inzwischen im Herzen mehr Brite als US-Bürger ?

Es ist komisch. Ich bin Ende der Achtziger Jahre nach Großbrittanien gekomen, um "Batman" zu machen. Und das war das erste Mal, dass ich ernsthaft daran glaubte, schon einmal gelebt zu haben. Denn irgendetwas muss mich aus einem früheren Leben mit diesem Land verbinden. Ich fühlte mich sofort zuhause. Ehrlich gesagt fühlte ich mich das erste mal in meinem Leben überhaupt irgendwo zuhause. Seit zehn Jahren lebe ich jetzt permanent in England und mir gefällt hier einfach alles, von den Künstlern mit denen ich arbeite, bis zum Wetter. In Kalifornien scheint mir einfach zu oft die Sonne.

Das Interview führte CHRISTIAN AUST

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