Guy Ritchie

Ein Gespräch mit GUY RITCHIE über Gauner, gutes Kino und geschiedene Ehefrauen

Wir treffen GUY RITCHIE im legendären Hotel Adlon in Berlin und sprechen mit dem Regisseur über seinen neuen Film SHERLOCK HOLMES. Der Brite hat die etwas angestaubte Detektivgeschichte als temporeiche Action-Komödie inszeniert. Das hätten wir dem Ex-Mann von Pop-Ikone MADONNA gar nicht mehr zugetraut. GUY RITCHIE drehte 2003 den Spielfilm "Stürmische Liebe - Swept Away" mit Madonna in der Hauptrolle - ein Fiasko sowohl bei Kritikern als auch an der Kinokasse. Danach sorgte das Privatleben des 41-Jährigen für mehr Schlagzeilen als seine Filme. Doch seit der Trennung von MADONNA klappt`s nun endlich auch wieder mit dem Filmemachen.

Guy Ritchie

Warum haben Sie sich ausgerechnet an die Ikone der britischen Kriminal-Literatur herangewagt?

Ich habe mich schon als Kind sehr für Sherlock Holmes interessiert. Ich kannte alle Geschichten. Und so hatte ich schon eine unbewusste Vorstellung davon, wie Sherlock Holmes tickt. Mein Sherlock Holmes ist traditionell und modern. Einerseits wollte ich seiner Tradition treu bleiben. Anderseits bin ich ein zeitgenössischer Filmemacher und mache Filme für ein modernes Publikum. Ich kann den Zeitgeist nicht ignorieren. Aber auch in dieser Hinsicht kamen mir die Romane sehr entgegen. Denn die beinhalten ein Stück Rock'n'Roll, das wir in Sherlock-Holmes-Filmen bislang noch nicht gesehen haben.

Was zieht Sie an der Welt der Kriminellen und Gauner so magisch an?

Ich mag dieses Milieu, weil man dort die besten Geschichten findet. Da spielt sich das Leben mit all seinen Kämpfen und Intrigen in einer Nußschale ab. Man fragt mich auch oft, warum es in meinen Filmen immer nur um Männer geht. Darauf habe ich eine ganz einfache Antwort: Ich bin nun einmal ein Mann und in dieser Welt kenne ich mich am besten aus.

Guy Ritchie

Sind Sie froh, dass man nach Ihrer Trennung von Madonna endlich wieder mehr über Ihre Arbeit als über ihr Privatleben schreibt?

Die Geschichten über mein Privatleben habe ich schon seit Jahren nicht mehr gelesen. Klatschgeschichten sind nicht amüsant, wenn Du selbst eine entscheidende Rolle darin spielst. Und im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass ich es vermeiden sollte Achterbahn zu fahren, sowohl in finanzieller Hinsicht und auch wenn es um meinen Ruf in der Öffentlichkeit geht.

Aber Sie fühlen sich befreit?

Ich glaube schon. Aber an meiner vagen Antwort merken Sie bereits, dass dieses neue Lebensgefühl noch nicht ganz in mein Bewusstsein durchgesickert ist.

Guy Ritchie

Sherlock Holmes ist Ihr bislang teuerstes Projekt. Wie erleichtert waren Sie, als Sie von dem guten Start des Films auf dem US-Markt lasen?

Ehrlich gesagt versuche ich schon seit Jahren die finanzielle Seite meines Berufes zu ignorieren, so lange es geht. Und dazu gehört auch, dass ich am Startwochenende nicht mit bangem Blick die Einspielergebnisse kontrolliere. Ich bekäme sonst Angstzustände. Das Problem ist mein Blackberry. Da konnte ich dann schon den überfüllten Posteingang sehen. Bei manchen stand das Ergebnis schon in der Betreffzeile. Normalerweise öffne ich diese Emails einfach, ohne hinzusehen, um sie dann gleich wieder ungelesen zu schließen und meine Ruhe zu haben. Aber im Ernst: Ich beschäftige mich erst drei Monate nach Start mit den Finanzen. So erspare ich mir eine Menge Angst.

Und das lassen Ihnen die Produzenten durchgehen?

Was habe ich als Filmemacher mit dem Einspielergebnis zu tun? Die Besucherzahlen gehen rauf oder runter und damit auch meine Angst-Kurve. Ich kann es sowieso nicht beeinflussen, wenn der Film erst einmal läuft. Der Stress beginnt, sobald ein Film vermarktet wird. Während des Drehens selbst mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

Guy Ritchie

Wo verkriechen Sie sich, wenn Ihre Filme anlaufen - in Ihrem Londoner Pub?

Ich verschwinde aufs Land und gehe angeln, oder so etwas in der Art. Da verfliegt die Angst dann ganz schnell. Meine Devise lautet: Öffne nicht die Tür, wenn der Teufel klopft.

Das Interview führte Christian Aust.

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