Reinhold Messner

Ein Gespräch mit REINHOLD MESSNER über den tragischen Tod seines Bruders, die Faszination des Bergsteigens und die Schwierigkeiten der NANGA PARBAT-Dreharbeiten

Wir treffen den berühmtesten Bergsteiger der Welt im flachen Hamburg, im Hotel Atlantic. REINHOLD MESSNER hat einen kernigen Händedruck und von ihm geht eine besondere Energie aus. Die braucht wohl auch einer wie er, der als erster Kletterer alle 14 Berge über 8.000 Meter erklommen hat. Das ist nur einer der zahlreichen Rekorde, die der mittlerweile 65-jährige Südtiroler aufgestellt hat. Wir sprechen mit REINHOLD MESSNER über den Film NANGA PARBAT, dem er als Berater zur Seite stand. In NANGA PARBAT geht es um die Brüder Reinhold und Günther Messner, die sich 1970 aufmachen, den gefährlichsten Berg der Welt zu besteigen. Doch nur Reinhold kehrt lebend von der Tour zurück.

Reinhold Messner

Wie dreht man einen Bergfilm, der sogar Reinhold Messner gefällt?

Ich mag ja die Bezeichnung "Bergfilm" eigentlich überhaupt nicht. Denn dieses Genre wurde in zwei Phasen völlig diskreditiert. Einmal in den Dreißiger Jahren, weil man da diese ganzen Heldengeschichten erzählt hat. Und dann wieder in den Fünfiger Jahren. Da hat man sich dann für diese Heldenfilme geschämt und dieselben Regisseure haben dann diese kitschigen Heimatfilme gedreht. Und das war es dann. Was in letzter Zeit kam? "Nordwand" war in Ordnung, bis auf das Ende. Und dann gab es so amerikanisches Zeug, in dem nichts zusammen passte. Ein Bergfilm muss für mich vor allen Dingen glaubwürdig sein.

Dieser Film ist Ihre persönliche, tragische Geschichte. Wer ist da zu Beginn dieses Projektes auf wen zugegangen: Sie auf Herrn Vilsmaier oder umgekehrt?

Also, ich habe ihn einmal angesprochen und ihm gesagt, dass ich generell gerne einen Bergfilm mit ihm machen würde. Was ich in seinen Arbeiten wie "Schlafes Bruder" oder anderen seiner Filme immer besonders stark fand, war die Art, wie er Menschen in die alpine Welt stellt. Und damit meine ich nicht oberhalb, sondern unterhalb der Waldgrenze. Mir war immer klar, dass ein Berg filmisch nicht nur aus seinem Gipfel besteht. Da gibt es ja noch einen Unterbau. Und er hat dann gesagt: Wenn wir einen Film machen, dann nur dieses Thema. Dann haben wir nach Jahren und drei weggeworfenen Drehbüchern endlich einen Autoren gefunden, der das ganze so geschrieben hat, dass man es auch filmen konnte. Ich hätte ja schon vorherigen Drehbuchfassungen zugestimmt. Aber Vilsmaier hat da natürlich mehr Erfahrung. Ich war ja ein völliger Laie und das bin ich immer noch.

Reinhold Messner

Haben Sie nicht im Hintergrund die Fäden gezogen?

Ich habe ihm nur über die Schulter geschaut. Und ich habe Drehorte gesucht, von denen ich dachte, da könnte man gut filmen. Mich hat nur die praktische Seite interessiert: Wie hole ich eine Geschichte emotional aus dem Gebirge, aus den Schauspielern auf die Leinwand.

Wie haben Sie es denn nun erlebt, diese schreckliche Geschichte noch einmal im Kino zu sehen?

Erstens habe ich über das Ganze ja bereits in mehreren Büchern geschrieben. Und zweitens habe ich schon tausendmal darüber auf der Bühne gesprochen. Und das ist viel schwieriger, als einen Film darüber zu machen. Ein Film entsteht in langen Arbeitstagen, in Monaten der gemeinsamen Arbeit. Das war nicht mein Problem. Mir war wichtig, dass die Geschichte trägt. Und das tut sie nur dann, wenn sie so nah wie möglich an den Tatsachen bleibt, auch an den emotionalen Tatsachen. Sobald man auch nur minimal versucht daran herumzudrehen, verliert sie an Kraft. Und ich bin mir ganz sicher: Die menschliche Fantasie ist nicht so stark wie die Realität. Das Leben spielt uns die besten Geschichten zu.

Reinhold Messner

Aber es muss doch Momente während der Dreharbeiten gegeben haben, die für Sie nicht einfach waren.

Ich habe ja bestimmte Momente am Nanga Parbat gedreht, bei denen der Vilsmaier gar nicht dabei war, weil er nicht mitgeflogen ist auf diese Höhe. Wir hatten ja am Ende noch die Gelegenheit am Nanga Parbat einige Szenen mit Doubles zu drehen. Die Schlüsselszenen am Berg sind alle an Originalschauplätzen aufgenommen worden. Zum Teil haben wir die Bergsteiger aber auch digital ins Bild gestellt, weil es unverantwortlich gewesen wäre, jemanden dort hinzufliegen. Und da gibt es einige Szenen, die genau das zeigen, was genau an dieser Stelle damals passiert ist. Und das geht mir natürlich nah.

Warum wird Ihre Version der Geschichte immer wieder angezweifelt?

Das ist ganz klar eine Rufmordkampagne, mit der sich gutes Geld verdienen lässt, weil ich heute bekannt bin. Natürlich lesen die Leute lieber die Version der Geschichte, in der ich demontiert werde, als meine Version. Und ich habe mir vorgenommen, irgendwann einmal genau aufzuschlüsseln, wie so eine Kampagne entsteht. Das Problem liegt gar nicht so sehr bei den Menschen, die solche Gerüchte kolportieren, sondern in den Chefredaktion der Zeitungen, die solche Geschichten drucken.

Was hat Sie trotz dieses schrecklichen Erlebnisses angetrieben, immer wieder Ihr Leben aufs Spiel zu setzen?

Darauf habe ich eine ganz einfache Antwort: Das kann ich leider nicht erklären. Wir gehen dorthin, wo wir umkommen könnten, oder sogar müssten, um nicht umzukommen. Das ist so widersinnig und schizophren, dass es niemand versteht.

Das Interview führte CHRISTIAN AUST

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