23.09.2010

Warum uns der Film kein bisschen gefällt!

"Jud Süss - Film ohne Gewissen" von Oskar Roehler ("Die Unberührbare", "Elementarteilchen"). Der passendere Untertitel für diesen Film wäre "Film ohne Wissen" gewesen. Denn Oskar Roehler hat entweder schlecht recherchiert oder um die Geschichte geschmeidiger zu machen, bewusst elementare Fakten unterschlagen, oder verändert. Das wäre nicht so dramatisch, ginge es um die Biografie "Der Friseuse". Aber Roehler wagt sich hier nicht an weniger, als die Entstehungsgeschichte des berüchtigten Nazi-Propaganda-Films "Jud Süß". Und da sollte man doch mit höchster Sensibilität vorgehen, finden wir.

 

Im Mittelpunkt des Films steht der deutsche Schauspieler Ferdinand Marian (Tobias Moretti, "Komissar Rex"). Als Reichspropaganda-Minister Goebbels ihm die Rolle des intriganten Juden in einem Propaganda-Film von Star-Regisseur Veit Harlan anbietet, sträubt er sich zunächst. Doch die richtige Mischung aus Schmeicheleien und Drohungen wirkt letztendlich und Marian spielt die fatale Rolle. Soweit so gut.

 

Doch wenn man einmal genauer hinsieht, stimmt in diesem Film vorne und hinten gar nichts. So dichtet Roehler Marian eine Ehefrau mit jüdischen Vorfahren an. Doch das ist nicht wahr. Marians jüdischer Kollege, der im Film im Gartenhaus versteckt wird - frei erfunden. Aber es kommt noch schlimmer: Von Gewissensbissen geplagt und mit einem Drehverbot bestraft, erlebt Marian in der ­Roehler-Version die Zeit bis zum Kriegsende im Dauerrausch. Tatsächlich wirkte er aber noch mit ausdrücklicher Führsprache von Goebbels in etwa zehn Filme mit, darunter den Kassenschlager "Romanze in Moll".

 

Der Gipfel: Bei Roehler kommt Marians Gattin in der Gaskammer eines Konzentrationslagers um. Wie hätte sie dann allerdings nach dem Krieg, in einem Prozess aussagen können? Kurz: Tatsächlich erfreute sie sich nach Kriegsende bester Gesundheit und sagte in einem Prozess gegen Regisseur Harlan sogar noch zu dessen Gunsten aus. Aus Kummer über den Tod seiner geliebten Frau rast Moretti in der Schlussszene mit einem vergilbten Foto seiner Familie in der Hand gegen eine schmale Birke. Entschuldigung Oskar Roehler, aber was soll das bitte für ­ein Film sein? Roehler macht aus einem opportunistischen Mitläufer ein Opfer. Wir meinen: Das geht überhaupt nicht!
 

Trailer

Jud Süß - Film ohne Gewissen

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